Nachhaltigkeit neu definieren

Zum Auftakt der Versammlung diskutieren Delegierte mit Spitzenvertretern der Wissenschaft und der zahnärztlichen Körperschaften das Thema „Zwischen Vorsorgen und Versorgen – Wie sieht eine nachhaltige und gute Zahnheilkunde in der Zukunft aus?“. Fachkräftemangel, chaotische Digitalisierung, fehlende Unterstützung in der Coronapandemie und nun das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz stellten die Praxen vor Herausforderungen, die sie nicht allein stemmen könnten, monierte FVDZ-Bundesvorsitzender Harald Schrader. „Die Politik legt damit die Axt an die Pfeiler, die das System der ambulanten Versorgung tragen.“ Auch KZBV-Chef Wolfgang Eßer wurde deutlich. Eine neue Ära der Kostendämpfung stehe bevor: „Die Defizite im Gesundheitswesen werden aber nicht nachhaltig bekämpft, sondern lediglich mit Flickschusterei behandelt.“ Bundeszahnärztekammerpräsident Prof. Christoph Benz identifizierte zwei Großprobleme für die Zahnärzteschaft: zum einen das Personalproblem, aber dafür habe er leider keine Lösung. Und zum anderen die veraltete Gebührenordnung. „Wir brauchen eine neue GOZ mit ständiger Anpassung“, forderte Benz. Bei dem Thema sei der Minister leider ein Totalausfall. Allerdings gebe es gute Kontakte zu den Länder-Gesundheitsministerien. Mehr Nachhaltigkeit in der zahnmedizinischen Ausbildung forderte Prof. Roland Frankenberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). An den Universitäten würden Budgets gekürzt, es fehle wissenschaftlicher Nachwuchs. Gute Ausbildung koste aber Geld und das müsse von der Politik bereitgestellt werden. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther lobte die Zahnmedizin als besonders nachhaltig. Das Umlagesystem der GKV hingegen sei nicht nachhaltig. In Sachen GOZ räumte er ein, dass Zahnärzteschaft und PKV nicht immer einer Meinung seien. Allerdings habe das gemeinsame Beratungsforum in vielen Fällen gute Kompromisse gefunden. Die besonderen Belastungen für junge Zahnärztinnen schilderten die Delegierten Jana Lo Scalzo und Danielle van Rijt-Nelskamp. In der Öffentlichkeit herrsche immer noch die Ansicht: Studium fertig – dann hast Du’s geschafft! Dabei beginne dann erst der Weg in eine (leider derzeit unsichere) wirtschaftliche Zukunft.